Angesichts autoritärer Gewalt : Widerstand des Volks – Austausch im Breitsch-Träff, Bern, Breitenrainplatz 27, am Dienstag, 24. März um 18:30 Uhr
Vor 50 Jahren, am 24. März 1976, verübte das argentinische Militär mit Unterstützung der USA und unter Mitwirkung eines Teils von Politik, Grossunternehmen und bestimmter Kreise der katholischen Kirche einen Staatsstreich, der aufgrund seiner brutalen Repression in die Geschichte Lateinamerikas eingegangen ist. Dieser zivil-militärische Putsch leitete einen neuen Zyklus wirtschaftlicher und sozialer Angriffe gegen die Mehrheit der Bevölkerung ein. Er installierte auch den schädlichen Mechanismus der Verschuldung und Abhängigkeit – mit einer unbegrenzten Zunahme der Auslandsverschuldung.

Die sieben Jahre (1976-1983) dieser Diktatur waren die brutalsten in der jüngeren Geschichte Argentiniens. Sie waren geprägt von der gewaltsamen Durchsetzung des Staatsterrorismus, mit einer dramatischen Bilanz von 30’000 Verschwundenen – darunter 500 Babys, die ihren verschwundenen Eltern entrissen worden waren –, mehr als 11’000 politischen Gefangenen sowie Zehntausenden Vertriebenen und ins Ausland Geflüchteten.
Das diktatorische Regime versuchte, eine ganze Generation engagierter und solidarischer junger Menschen, welche die Welt gerechter machen wollten, zu vernichten. Dieses Ziel wurde nur teilweise erreicht: Der Widerstand der Bevölkerung konnte von der Armee nicht gebrochen werden. Das Paradebeispiel sind die Mütter und Grossmütter der Plaza de Mayo: Angesichts der systematischen und systemischen Unterdrückung entstand eine breite soziale Bewegung zur Verteidigung der Menschenrechte. Die Militärs – geschwächt und zunehmend verpönt – verloren nach dem Falklandkrieg, in dem Hunderte junger Menschen ihr Leben liessen, an Einfluss. 1983 mussten sie schliesslich die Macht abgeben.

Die Hoffnung stirbt zuletzt… nein, sie stirbt nicht… der Kaktus lebt es vor. Bild: Sergio Ferrari, Argentinien.
Das starke Engagement eines Grossteils der argentinischen Gesellschaft für das ERINNERN, die WAHRHEIT und die GERECHTIGKEIT (MEMORIA, VERDAD y JUSTICIA) ist der rote Faden eines unermüdlichen Kampfes für die Menschenrechte. Zwischen 2006 und Oktober 2025 wurden fast 1’200 Militärangehörige, Zivilpersonen und Geistliche vor ordentlichen Gerichten wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit verurteilt. Argentinien ist weltweit zu einem wichtigen Vorbild geworden, wenn es darum geht, sich an die Vergangenheit zu erinnern und zu verhindern, dass die Geschichte vergessen oder geleugnet wird. Angesichts dieses intensiven Engagements der Bevölkerung für das ERINNERN versucht der seit Dezember 2023 regierende Präsident Javier Milei, die Leugnung der Vergangenheit als vorherrschende Ideologie durchzusetzen und die Verbrechen der Diktatur zu rechtfertigen. Rechtsstaatlichkeit, Vielfalt und den Kampf der Frauen für Gleichberechtigung lehnt Milei ab. Er ignoriert den Klimawandel. Er missachtet internationale multilaterale Organisationen und deren Programme wie die Agenda 2030 oder die Uno-Ziele für nachhaltige Entwicklung usw.
Die aktuelle argentinische Regierung verfolgt eine Politik des systematischen wirtschaftlichen und sozialen Abbaus. Diese trieb in den letzten zwei Jahren mehr als 20’000 Unternehmen in den Konkurs – von denen die meisten weniger als 500 Mitarbeitende beschäftigen. Mehr als 280’000 Arbeitsplätze verschwanden, davon 90’000 in sensiblen Bereichen des Staates wie Forschung, Gesundheit, Bildung, Menschenrechte, Sozialhilfe usw. Gegen hundert Grossdemonstrationen wurden gewaltsam unterdrückt – die Repression ist ein weiterer Pfeiler von Mileis Politik. Dabei wurden nach offiziellen Angaben mindestens 2’400 Protestierende verletzt und mehr als 460 Personen festgenommen.
Mileis Leugnung des Lebens, des Planeten, der Rechtsstaatlichkeit und sogar der Demokratie bringt ihn der extremen Rechten näher. Er lässt sich von Trump und Netanjahu inspirieren. Er unterhält enge Beziehungen zu neofaschistischen Führungspersonen in Europa. Auf diese Weise gewinnt das Projekt der internationalen radikalen Rechten an Stärke. Diese Rechte vertritt kulturelle, religiöse und politische Ideen, die extrem, patriarchalisch und reaktionär sind. Ihr Ziel ist der Abbau von Errungenschaften wie dem sozialen Schutz, der Solidarität und Diversität, der Aufnahme von Geflüchteten, oder auch dem Recht des palästinensischen Volkes sowie aller Völker, über die eigene Zukunft selbst zu entscheiden.
50 Jahre nach dem Putsch in Argentinien, insistieren wir gemeinsam und mit vereinter Stimme:
NIE WIEDER STAATSTERRORISMUS.
NEIN ZUM WIRTSCHAFTLICHEN UND SOZIALEN PROJEKT MILEIS.
NEIN ZUM NEGATIONISMUS, ÜBERALL UND IN ALL SEINEN FORMEN.
JA ZUR INTERNATIONALEN SOLIDARITÄT.
Ganz speziell an diesem 24. März sind wir mit dem ungebrochenen Widerstand und Protest in Argentinien solidarisch. Wir bekräftigen unser Engagement für ein anderes Argentinien, ein anderes Lateinamerika und für EINE ANDERE WELT, DIE MÖGLICH IST!
Nunca Más – Argentinos*as para la Victoria – Schweiz
Asociación El Periscopio
und über 50 weitere Organisationen aus der Schweiz, darunter auch Novo Movimento

Bild: Sergio Ferrari, Argentinien